Fehlstellungen und Haltungsschäden

Viele Menschen erhalten irgendwann im Leben die Diagnose eines „kürzeren Beines“. Hierzu vergleicht der Arzt oft lediglich die Beinlängen an den Füßen oder er vermisst bzw. vergleicht die Beckenkämme mit der Hand oder auf dem Röntgenbild. Darüber allein lässt sich allerdings noch keine sichere Aussage über einer tatsächliche Beinlängenverkürzung treffen. Ein anatomisch kurzes Bein kommt äußerst selten vor und kann entweder angeboren oder erworben sein, etwa durch eine Operation, Kinderlähmung, Knochenbrüche oder ein künstliches Gelenk (Knie / Hüfte). Die Bestimmung eines wahren anatomisch kurzen Beines ist dann nur durch eine genaue Vermessung der Extremität möglich.

Ein „scheinbar“ kurzes Bein kommt dagegen sehr häufig vor und ist zugleich immer auch ein Hinweis auf eine Nervenstörung in der Wirbelsäule und eine Fehlstellung des Beckens. Da das Iliosakralgelenk (ISG) eine bewegliche Verbindung zwischen Beckenschaufel und dem Kreuzbein (Sacrum) ist, können sich die Beckenschaufel in mehrere Richtungen verschieben (nach vorne, nach hinten, nach außen, nach innen). Diese Verschiebung hat nun auch Auswirkungen auf das Hüftgelenk und das gesamte Bein wird bewegt – es kann kürzer oder länger werden, das Bein kann sich nach außen oder innen rotieren. Diese Fehlstellung lässt sich nicht durch eine einseitige Absatzerhöhung lösen, im Gegenteil: Die eigentliche Ursache der Beinlängenverkürzung wird dadurch manifestiert und dem Körper so eine Möglichkeit der Kompensation genommen.

In der Folge reagiert die gesamte Wirbelsäule mit Kompensationen und Veränderungen, um diese Fehlhaltung aufzufangen und auszugleichen. Dies kann dann beispielsweise zur Ausbildung einer Skoliose (Seitabweichung der Wirbelsäule, eventuell mit einer Rotation) oder zu einer Vorwölbung von Bandscheiben (Protrusion) oder gar zum Bandscheibenvorfall (Proplaps) führen.
Auch chronische Beschwerden in Hüfte, Knien und Knöcheln können durch ein schiefes Becken ausgelöst werden. Wenn sich die Beckenknochen verschieben und dadurch ein Bein länger oder kürzer erscheint, so verändert sich auch die Belastung der jeweiligen Seite und der Strukturen. Es entsteht ungleicher Druck auf die Ober- und Unterschenkelknochen und die Wahrscheinlichkeit von Schmerzen und degenerativen Veränderungen steigt erheblich. Ein sogenannter Beckenschiefstand im Bereich der Lendenwirbelsäule kann Arthrosen in Becken, Hüften, Knien, und Knöcheln auslösen.